Zielgebietsmonitoring

Jährlicher Blick in die Zielgebiete

Zielgebiete verändern sich – genau wie die Anforderungen, die an sie gestellt werden. Das Zielgebietsmonitoring bildet den Status Quo und die Entwicklungsperspektiven von Destinationen im Hinblick auf ökologische, soziale und ökonomische Faktoren ab und unterstützt dadurch sowohl Reiseveranstalter als auch eigenveranstaltende Reisebüros und Verbände in der Produkt- und Zielgebietsentwicklung.


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Die Nachfrage nach Reisen verändert sich – im Rahmen ihrer Urlaubsplanung und -durchführung gewinnen in Zukunft für deutsche Reisende u.a. nachhaltige Aspekte an Bedeutung. Neben ökologischen Fragestellungen stehen auch soziale und ökonomische Faktoren im Blickpunkt der Reisenden. Zusätzlich zu Veränderungen in der Nachfrage stellen aktuelle sowie künftige regionale und globale Krisen Reiseveranstalter und ihre Verbandsvertreter vor große Herausforderungen. Diese sind nun zunehmend gefordert, Aspekte in ihrer Produktkonfiguration zu berücksichtigen, die über rein wirtschaftliche Faktoren hinausgehen.

An dieser Stelle setzt das Zielgebietsmonitoring an: Es zielt darauf ab, Reiseveranstaltern, eigenveranstaltenden Reisebüros sowie Verbänden zusätzliche Informationen über ökologische, ökonomische und soziale Faktoren in ausgewählten Zielgebieten zu geben und dadurch sowohl die Produkt- als auch die Zielgebietsentwicklung zu unterstützen.

Das Zielgebietsmonitoring wird in Kooperation mit dem Deutschen Reiseverband (DRV) und der Hochschule München erarbeitet und im Rahmen der Fördermaßnahme LIFT Wissen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert.

Das Monitoring wurde im Jahr 2021 erstmalig in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern und Zielgebietsexperten aufgesetzt. Der Fokus des ersten Zielgebietsmonitorings liegt zunächst auf den 13 Zielgebieten, die 70% des Buchungsvolumens der deutschen Outbound-Touristik ausmachen. Zukünftig soll das Monitoring jährlich aktualisiert und um zusätzliche Zielgebiete erweitert werden.

Die Ergebnisse des Zielgebietsmonitorings werden im Tourism Destination Index (TDI) abgebildet. Der Index zeigt auf, inwieweit einzelne Zielgebiete relevante Faktoren abdecken, um für deutsche Reiseveranstalter und Reisende auch in Zukunft ein attraktives Reiseziel darzustellen.

Der Index wird pro Destination errechnet und ergibt sich aus dem Zusammenspiel aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren.

  • Ökologische Faktoren umfassen neben ökologischen Maßnahmen den Umgang mit natürlichen Ressourcen und die ökologische Sicherheit
  • Soziale Faktoren umfassen politische und soziale Rahmenbedingungen, Tourismusakzeptanz sowie Menschenrechte & Arbeitsbedingungen
  • Ökonomische Faktoren umfassen die touristische Infrastruktur, die touristische Relevanz sowie den Digitalisierungsgrad

Für alle Faktoren werden sowohl der Status Quo als auch die Entwicklungsperspektiven erhoben. Insgesamt fließen 36 Parameter in die Bewertung der Zielgebiete ein, die im Rahmen von Primär- oder Sekundäranalysen bewertet werden.

Der Tourism Destination Index dient als Informations- und Entscheidungsgrundlage für die betrachteten Destinationen, die Produktentwicklung von Reiseveranstaltern und eigenveranstaltenden Reisebüros sowie für die tourismuspolitische Arbeit von Reiseverbänden und öffentlichen Institutionen im Bereich der Zielgebietsentwicklung. Ziel ist es, über den TDI in den nächsten Jahren eine Entwicklung der Zielgebiete in den einzelnen Dimensionen darzustellen.

Die Dimensionen, Faktoren und Parameter wurden in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern und unter Berücksichtigung von Sekundärstudien zu zukünftigen Kundenanforderungen entwickelt. Das Monitoringsystem bildet somit die Informationsbedürfnisse von Reiseveranstaltern ebenso ab wie die voraussichtlichen zukünftigen Kundenanforderungen. Die Parameter beschreiben Aspekte, die für die deutsche Outbound-Touristik und den deutschen Quellmarkt aktuell und in Zukunft im Hinblick auf Zielgebiete relevant sind.

Unterschieden wird nach ökonomischen, sozialen und ökologischen Faktoren, die in den TDI einfließen. Darüber hinaus wird die touristische Entwicklung der Zielgebiete dargestellt:


Ökonomische Faktoren umfassen die touristische Infrastruktur, die touristische Relevanz sowie den Digitalisierungsgrad:

Die touristische Infrastruktur beschreibt die Erreichbarkeit aus Deutschland, die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Zielgebietsorganisationen im Land sowie Rahmenbedingungen im Bereich Gesundheit & Hygiene.

Die touristische Relevanz und Förderung beleuchtet die (wirtschaftliche) Bedeutung des Tourismus im Land sowie die Situation im Hinblick auf Fachkräfteausstattung und Ausbildungssituation.

Der Digitalisierungsgrad fokussiert die Verfügbarkeit und die Qualität des Internets/ WLANs.

Soziale Faktoren umfassen politische und soziale Rahmenbedingungen, Tourismusakzeptanz sowie die Betrachtung von Menschenrechten und Arbeitsbedingungen im Zielgebiet:

Politische und soziale Rahmenbedingungen beleuchten das Ausmaß der Regulierung der touristischen Einreise aus Deutschland, die Stabilität des politischen Systems sowie die wahrgenommene touristische Sicherheit.

Tourismusakzeptanz befasst sich mit dem Ausmaß von Einschränkungen von Bevölkerung und Reisenden durch Overtourism, der Authentizität und Wahrung der landestypischen Kultur sowie der wahrgenommenen Akzeptanz von Touristen im Land.

Arbeitsbedingungen & Menschenrechte bewerten die Wahrung von Kinder- sowie Persönlichkeitsrechten sowie die Arbeitsbedingungen im Tourismus.

Ökologische Faktoren umfassen ökologische Maßnahmen, den Umgang mit natürlichen Ressourcen und die ökologische Sicherheit in einem Zielgebiet:

Ökologische Maßnahmen fokussieren die Sauberkeit der Umwelt, die Bemühungen im Bereich Artenschutz, die Themen Emissionen und erneuerbare Energien sowie die Verbreitung ökologisch nachhaltiger Mobilität wie ÖPNV, Elektromobilität und Fahrrädern.

Der Umgang mit natürlichen Ressourcen bewertet das Verpflegungs-, Abfall- und Wassermanagement des Landes.

Die ökologische Sicherheit fokussiert die Exposition und den Umgang mit Naturgefahren in einem Land.

Für alle Dimensionen wurde darüber hinaus die Entwicklungsperspektive erhoben.

Um das Informationsangebot im Rahmen des Monitorings möglichst genau auf die Bedarfe von Reiseveranstaltern, eigenveranstaltenden Reisebüros und Destinationen zuschneiden zu können, wurde das Zielgebietsmonitoring in Zusammenarbeit mit namhaften deutschen Reiseveranstaltern sowie Destinationen entwickelt.

Der dadurch entstandene Tourism Destination Index wird mittels einer Kombination aus Sekundär- und Primäranalysen ermittelt:


Im Rahmen der Primärerhebung werden Zielgebietsexperten (z.B. Reiseleiter*innen) involviert, die sowohl die Bedürfnisse der deutschen Reisenden als auch die jeweiligen Länder gut kennen und in ihren Einschätzungen nicht durch politische oder marketingorientierte Interessen beeinflusst sind.

In der Sekundäranalyse werden seriöse Quellen sowie ausgewählte aktuelle Indizes zu den definierten ökologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren integriert.

Die Zielgebiets-Indizes ermitteln sich aus der Zusammenführung der Informationen aus den Analysen. Auf dieser Basis werden Implikationen für die Länder abgeleitet.

Die Methodik wird im Punkt „Methodik und Quellen“ detaillierter erläutert.

Die Entwicklungen in den Zielgebieten bilden einen relevanten Bestandteil des Zielgebietsmonitorings, da sie den touristischen Kontext im Land darstellen.

Da die Entwicklung jedoch nur begrenzt den dargestellten Faktoren zugeordnet werden kann und in Abhängigkeit der Ausrichtung des Reiseveranstalters unterschiedlich bewertet wird, fließen die folgenden Faktoren nicht in den Tourism Destination Index ein, sondern dienen vorrangig der Information.


Der TDI fokussiert in seinem ersten Durchlauf die aktuell beliebtesten Länder für organisierte Reisen des deutschen Quellmarktes. Und so zeigen auch die Indexwerte des TDI eine insgesamt zufriedenstellende Abdeckung der untersuchten Zielgebiete im Hinblick auf ökologische, ökonomische und soziale Faktoren. Dennoch besteht länderübergreifend noch deutliches Potenzial, um auch in Zukunft den Anforderungen des deutschen Quellmarktes gerecht zu werden. Insbesondere hinsichtlich der ökologischen Faktoren besteht laut TDI noch Handlungsbedarf, aber auch die sozialen und ökonomischen Faktoren bieten Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung.

Im Hinblick auf die ökologischen Faktoren zeigt der TDI insbesondere in den folgenden Parametern noch Entwicklungspotenzial:

  • Verbreitung ökologisch nachhaltiger Mobilität (z.B. Verfügbarkeit ÖPNV, Verbreitung Elektromobilität, Nutzung umweltfreundlicher Fortbewegungsmittel wie Fahrräder)
  • Abfallmanagement (z.B. Vermeidung der Müllentsorgung in der Natur, Förderung von Mülltrennung und Recycling)
  • Wassermanagement, (z.B. wasserschonender/ bewusster Umgang mit Wasser in touristischen Betrieben, Nutzung von Wasserklärung und -aufbereitung)

Bei den sozialen Faktoren weisen insbesondere die folgenden Themenfelder Handlungsbedarf auf:

  • Overtourism (z.B. Beeinträchtigung der Bevölkerung, der Umwelt und des Besuchserlebnis durch Touristenmassen in touristischen Hotspots)
  • Arbeitsbedingungen im Tourismus

Der Fokus in den ökonomischen Faktoren sollte insbesondere auf den folgenden Faktoren liegen:

  • Verfügbarkeit von Fachkräften/ Fachkräftemangel
  • Verfügbarkeit und Qualität des Internets
  • Touristische Bedeutung im Land

Die jeweilige Potenzialausprägung variiert in Abhängigkeit der Destination. Übergreifend bestehen für Zielgebiete jedoch Potenziale darin, Nachhaltigkeit nicht nur auf Ökologie zu beschränken, sondern vor allem auch die soziale Dimension und die lokale Bevölkerung zu fokussieren. Ganzheitliche Optimierungen unterstützen einen nachhaltigen Tourismus und fördern die Attraktivität der Destination. So lassen sich für Zielgebiete aus dem TDI insbesondere die folgenden Implikationen ableiten:

  • Förderung von nachhaltigen/ ökologischen Technologien, Systemen und Fortbewegungsmitteln
  • (Vorausschauende) Tourismussteuerung und Besucherlenkung
  • Förderung von Fachkräften und Optimierung der Arbeitsbedingungen im Tourismus
  • Optimierung der Internetanbindung

Im Hinblick auf Reiseveranstalter und eigenveranstaltende Reisebüros zeigt der TDI, dass diese einen stärkeren Fokus auf ein ökologisch und sozial verträgliches Produktportfolio und -angebot legen sollten. Schlüssel hierzu sind sowohl Maßnahmen in den eigenen Betrieben (sofern vorhanden) als auch eine enge Kooperation mit den jeweiligen Zielgebieten. So ergeben sich die folgenden Implikationen:

  • Erarbeitung und Fokussierung von Maßnahmen zur Entzerrung der Touristenströme
  • Unterstützung der Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen im Zielgebiet
  • Optimierung des Wasser- und Abfallmanagements in eigenen und in Partnerbetrieben (in den Zielgebieten)
  • Förderung von Fachkräften und Optimierung der Arbeitsbedingungen in eigenen und in Partnerbetrieben (in den Zielgebieten)
  • Verstärkte Kooperation mit Zielgebieten im Hinblick auf eine nachhaltige Produktentwicklung

Darüber hinaus können im Rahmen der Zielgebietskooperation/ -entwicklung sowohl der DRV als Projektpartner ebenso wie weitere Interessensvertretungen die Erkenntnisse aus der Erhebung des TDI nutzen. Insbesondere sollte hierbei das Bewusstsein auf Destinationsseite für das Thema Nachhaltigkeit geschärft wie auch die Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen fokussiert werden.

Auf Länderebene zeigt der ermittelte TDI, inwieweit einzelne Destinationen die aktuellen und zukünftigen Anforderungen des deutschen Quellmarktes abdecken. Dabei werden jeweils Stärken als auch Herausforderungen sichtbar. Ziel ist es, das Monitoring auf dieser Basis in den nächsten Jahren weiterzuführen und dadurch die Entwicklung der Zielgebiete in den einzelnen Dimensionen aufzuzeigen.

Nähere Einblicke in die Ergebnisse der einzelnen Zielgebiete erhalten Sie in diesem Dokument:

Das Zielgebietsmonitoring wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Leistungssteigerung und Innovationsförderung im Tourismus – Studien und Konzepte zur Zukunft eines wiedererstarkten Tourismus“ (LIFT Wissen) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Die Fördermaßnahme verfolgt das Ziel, neues tourismusbezogenes Wissen zu generieren, welches sowohl politikberatend als auch für Verbände und Unternehmen verwendbar sein soll.

Das nachfolgende PDF-Dokument bietet einen detaillierten Überblick über die Methodik sowie die Quellen des Zielgebietsmonitorings: